Sabine Leidig
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Redetext

Bundestagswahl – Wahlkreis Hersfeld – Kandidatin Sabine Leidig
23. September 2021

Leidig ist gelernte Biologielaborantin und aktive Gewerkschafterin (13 Jahre im deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg), dann zehn Jahre Jugendbildungsreferentin und dann Regionsvorsitzende beim DGB Baden-Württemberg, von 2001 bis 2009 Bundesgeschäftsführerin des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac und seit 2009 Bundestagsabgeordnete der Linken Hessen mit Schwerpunkt Verkehrspolitik und sozial-ökologischer Umbau.

Was ist Ihre Motivation, zu kandidieren?

„Alle Wählerinnen und Wähler haben eine Auswahl verdient. Es ist eine demokratische Übung, sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Veränderungen auf regionaler Ebene angestrebt werden und warum. Als Linke Bundestagsabgeordnete kann ich meine Lebenserfahrung und meine politischen Fähigkeiten gut zum Einsatz bringen. Außerdem bin ich gerne in den Landkreisen Werra-Meißner und Hersfeld-Rothenburg und habe seit 2011 auch ein Wahlkreisbüro in Bad-Hersfeld.“

Deutschland wird nach dieser Wahl auf jeden Fall eine/n neuen Kanzler/-in bekommen. Im Wahlkampf ist deshalb besonders wichtig…

„Dass die Richtung stimmt. Weniger Kungeln mit Konzernen und mehr soziale und ökologische Gerechtigkeit; weniger Rüstung und mehr konkrete Friedensarbeit – also abrüsten, statt aufrüsten; weniger globaler Wettbewerb und mehr regionale Entwicklung; weniger Verkehr und mehr klimaverträgliche Mobilität. In den kommenden zehn Jahren müssen vor allem Energiewende und Verkehrswende umgesetzt werden und zwar sozial gerecht.“

Nennen Sie drei Hauptthemen, die ihr Wahlprogramm kennzeichnen:

„1) Wir wollen soziale Gerechtigkeit. Genug für alle: nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Deshalb ein Mindesteinkommen, das vor Armut schützt und 13 Euro Mindestlohn; dazu Besteuerung von hohen Vermögen, damit Reichtum dem Allgemeinwohl nützt. Gute Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und mehr Mitbestimmung für die Beschäftigten, damit nicht vor allem Profitinteressen die Wirtschaft bestimmen.

2) Wir wollen Klimaschutz vor Eigennutz. Es geht um bescheidenen Wohlstand für alle und nicht um neue Märkte für noch mehr Konsum. Zum Beispiel Bus & Bahn statt Autobahn und ÖPNV für alle, statt Autoprämien für wenige. Erneuerbare Energien in kommunaler Regie und sparsam eingesetzt, statt Rabatte für Großverbraucher und Gewinne für private Investoren. Damit nicht immer mehr verbraucht, versiegelt, verschmutzt wird, muss die kapitalistische Wirtschaft zurück gedrängt werden.

3) Und natürlich abrüsten statt aufrüsten. Das Desaster in Afghanistan zeigt, dass wir richtig lagen mit unserer Position: Waffen bringen keinen Frieden. Deshalb muss die Bundeswehr auch aus Mali abgezogen werden. Stattdessen brauchen wir viel mehr Kompetenz für gewaltfreie Konfliktlösung. Die vielen Milliarden Euro, die in Kriegsmaschinerie gepumpt werden, sollen für die Unterstützung lokaler Strukturen eingesetzt werden, damit sich Menschen (vor allem die Frauen) mit Lebensmitteln, Bildung usw. selbst versorgen können.“

Wo sehen Sie im ihrem Wahlkreis hauptsächlich Handlungsbedarf?

„Es braucht besseren öffentlichen Nahverkehr und mehr gute Perspektiven für junge Menschen. Ich sehe großes ungenutztes Potential bei der landwirtschaftlichen Entwicklung. Nordhessen und vor allem der Werra-Meißner-Kreis könnte zum Modell für die Versorgung mit guten Lebensmitteln aus der Region werden. Mit der international anerkannten Universität für ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen, gibt es einen Schatz, der viel zu wenig genutzt wird. Es geht um Anbau, aber auch um schonende Verarbeitung. Schulen und Kitas, Kneipen und Kantinen könnten beliefert werden, auch die in Kassel. Am besten per Bahn über einen reaktivierte Strecken (Bebra hat ja diese Tradition). Noch mehr Kooperation mit der Uni Kassel, zum Beispiel für die Entwicklung von mechanischen und/oder reparaturfreundlichen Maschinen mitsamt Ausbildungszentrum, könnte ein Anziehungspunkt werden. Solche Regionalentwicklung wäre eine echte Alternative zu Amazon und Co., zu noch mehr Flächenversiegelung und Lkw-Verkehr.“

Was vermissen Sie im Wahlkampf unter Corona-Bedingungen am meisten?

„Ich schätze es sehr, mit interessierten Menschen über Probleme zu diskutieren und sich gegenseitig ,schlau zu reden‘ – das fehlt mir schon seit über einem Jahr. Und auch die Besuche in Betrieben und Einrichtungen, bei denen ich immer sehr viel gelernt habe, vermisse ich.“

In den ersten Wochen als neu oder wieder gewähltes Mitglied werde ich ..

„Alle engagierten Bürger/-innen aus Initiativen, Gewerkschaften, Vereinen und Institutionen aus den beiden Landkreisen zu Rate ziehen, um einen Aktionsplan für Klimagerechtigkeit auf die Beine zu stellen. Und ich würde dafür kämpfen, dass vom Bund die richtigen Weichen dafür gestellt werden – mit öffentlichen Investitionen für den sozial-ökologischen Umbau und mit demokratischer Erneuerung auf allen Ebenen.“