Sabine Leidig
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Redetext

Artikel
(Manchmal ist es schade recht gehabt zu haben…) Gegen die Krise der Deutschen Bahn AG setzen wir auf demokratische Verkehrswendepolitik
8. Januar 2019
Die Dringlichkeit einer „Bahnreform 2.0“ ist deutlich wie nie zuvor. Mit unseren Vorschlägen und Konzepten sind die Grundlagen skizziert – von Bahnfreund*innen, die kenntnisreich und leidenschaftlich für mehr und bessere Bahn für alle einstehen. Darüber hinaus braucht es die „Bescheidwissenschaft“ der Beschäftigten, die sehr viel mehr Kompetenz in Sachen Bahn versammeln, als die Vielflieger und Dienstwagenfahrer, die heute noch die Verkehrspolitik dominieren.

Nachdem vor wenigen Wochen der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn-AG mit einem Brandbrief an die eigenen Führungskräfte öffentlich Wirbel machte, wirken die Zuständigen im Verkehrsministerium überrascht und noch planloser als zuvor. Dabei war diese Krise des größten öffentlichen Unternehmens längst vorhergesehen, beschrieben, in ihren Ursachen begründet und Detailreich dokumentiert: nicht von den hochdotierten Ministerialbeamten, sondern von einer Handvoll hochkompetenter, ehrenamtlich engagierter Menschen aus dem Bündnis „Bahn für Alle“ dem Expertennetzwerk „Bürgerbahn statt Börsenbahn“ und immer wieder auch von der Linksfraktion im Bundestag[i]. Wer jeweils den „alternativen Geschäftsbericht“ zur Bilanzpresskonferenz der DB-AG, der seit einem Jahrzehnt erscheint, gelesen hätte – was zumindest jede*r Verkehrspolitiker*in deutschen Bundestag hätte tun sollen – konnte wissen, wie die wirkliche Lage ist.

Dass inzwischen nur noch ein Bruchteil aller ICE-Züge ohne Mängel an den Start gehen, weil die Wartungskapazitäten und Reserven sträflich gekürzt wurden, ist ein Ausdruck des Desasters. Und ein Ausdruck des Scheiterns der herrschenden Verkehrspolitik. Die hat das Unternehmen, das wesentliches Rückgrat der sozialökologischen Verkehrsende sein müsste, wie einen DAX-Konzern aufgestellt und einen „Global Player“ entstehen lassen, statt es als ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen zu führen. Die hat zugelassen, dass Infrastruktur, Bahnangebote und zigtausende Bahnbeschäftigte abgebaut und ausgemustert wurden. Statt auf gute Erfahrungen zu setzen, wurden hochbezahlte Spitzenmanager eingekauft, die mit dem System Eisenbahn praktisch nichts zu tun hatten. Auch damit muss Schluss sein.

Die vielen engagierten Männer und Frauen, die bei der Bahn arbeiten, müssen wertgeschätzt und ermächtigt werden. Ihre Bahn-Verbundenheit ist ein Schatz, der zerstört wird, wenn Abläufe und Strukturen immer wieder über deren Köpfe hinweg entschieden werden.

Und: im Nachbarland Schweiz ist zu besichtigen, wie auch die Beteiligung der Bürger*innen in direktdemokratischen Verfahren die Bahn voran bringt: immer wieder wurde dort mit großer Mehrheit für den flächendeckenden Ausbau gestimmt. Und für große Investitionen, damit der Güterverkehr konsequent von der Straße auf die Schiene verlagert wird.

 

[i] Ein gesammelter Eindruck ist hier zu finden: https://www.nachhaltig-links.de/index.php/bahn

Kompakt in unserer Broschüre „Bahn für alle und alles“ https://www.nachhaltig-links.de/images/DateienJ2/1_Mobilitaet/2_PDF/2017/170627_Bahn_web.pdf