Bad Salzungen abgehängt?Einige Aspekte des Öffentlichen Personen Nahverkehrs und des Niedergangs der Bahn in der Fläche lerne ich in der Kurstadt Bad Salzungen kennen. Mit der Zerschlagung der thüringischen Kaliindustrie findet seit 1999 kaum noch Güterverkehr mehr an dem einstigen Güterumschlagzentrum statt. Im nahen hessischen Philippsthal wurden mehrere Millionen Euro öffentliche Mittel in die Errichtung eines werkseigenen Containerbahnhofs der K+S AG gesteckt. Hoch wächst heute das Unkraut zwischen unbenutzten Gleisen im Bahnhof Bad Salzungen. Die Nahverkehrszüge der Süd-Thüringen-Bahn Linie 1 aus Eisenach und Sonneberg kommen auf dem Gleis 4 des Bahnhofs an. Viele Stufen führen den Kurgast in eine schmuddelige Unterführung und eben so viele Treppenstufen haben die Kurgäste mit ihrem Gepäck wieder zu erklimmen. Die Einheimischen meiden diese Unterführung und nutzen den »Postweg«, einen betonierten Pfad über die Gleise, auf dem früher die Postwagen von der Waggonentladung in die Güterhallen gebracht wurden. ![]() Die Deutsche Bahn legt keinen Wert mehr auf das Gebäude und hat es vor kurzem an die Stadt Bad Salzungen verkauft. ![]() ![]() ![]() Der gehbehinderte Mann hat mit seinem Krankenfahrstuhl keine Möglichkeit zum Zug zu kommen. Die Unterführung zum Gleis 4 ist für ihn eine Barriere. Rampen oder Aufzüge um die Treppen zu überwinden gibt es nicht. Aber auch Menschen mit Kinderwagen, Einkaufstrollies, Fahrrädern oder schwerem Gepäck wird der Zugang zum Bahnsteig verwehrt. Noch während er erzählt und berichtet kommt ein Radfahrer, der mit seinem Fahrrad den Zug nutzen will. Er schiebt sein Rad zum alten »Postweg«, der die Gleise und das Schotterbett überbrückt. Er schaut rechts und links, wundert sich etwas über die Menschenansammlung und geht gemächlich hinüber zum Bahnsteig. Dies ist keine Inzenierung der Bürgerinitiative, denn als der Zug dann ankommt und die Fahrgäste den Zug verlassen, nehmen alle ganz selbstverständlich den Postweg. ![]() ![]() Auch die Genossen aus Bad Salzungen, der Landtagsabgeordnete Frank Kuschel (Die LINKE), der zweite Beigeordnete der Kurstadt, Ralf Tonndorf (Die LINKE) und der Bürgermeister Klaus Bohl (parteilos) sind zu unserem Besichtigungstermin gekommen. Im gemeinsamen Gespräch berichtet Bürgermeister Bohl von den jahrelangen zähen Verhandlungen mit der Bahn und er bedauert, dass die Deutsche Bahn AG den Betroffenen und der Stadt bei der Lösung des Problems nur Steine in den Weg legen würde. Das Hauptargument der Bahn sei, man müsse erst die Bahnhöfe in Angriff nehmen, bei denen die Fahrgastzahlen höher seien. ![]() ![]() Denn gebraucht wird dieser Zugang sowieso: Es ist die einzige Möglichkeit für Rettungsdienste wie Rotes Kreuz, Feuerwehr und THW zum Bahnsteig zu kommen. Auch der Bürgermeister meint: »Das ist keine perfekte Lösung, aber besser, als gar keine« Die Bahn ist durch die Bildung zur Aktiengesellschaft der parlamentarischen Kontrolle entzogen worden. Dennoch werde ich mich als Verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag mit dem Bahnbeauftragten Herrn Alexander Kaczmarek in Verbindung setzen. Aber ohne die couragierten Bürger mahlen die Mühlen des Konzerns langsam. Wir alle können von den aufmüpfigen Stuttgartern und ihren Kampf um ihren Bahnhof lernen »Oben bleiben - und nicht duckmäusern!« ![]() ![]() Auch so kann der Eingang zu einer Stadt gestaltet sein: Zugang zu den Gleisen in der Festspielstadt Bad Hersfeld mit Stufen und Aufzügen | |||
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