19. August 2009
Höchst
Die westlichen Vororte von Frankfurt sind ein ganz eigenes Pflaster. Fernab der vermeintlichen Glitzerwelt der Bankenmetropole wird hier noch deutlich, dass Frankfurt auch immer Industriestadt war, mit den alten Farbwerken, in denen einst über 30 000 Menschen arbeiteten, überwiegend Arbeiter. Dadurch sind die westlichen Vororte noch immer geprägt, bis heute. Ich konnte das auch auf meiner Veranstaltung am 19.8. deutlich spüren.
In Höchst, dem alten Zentrum der westlichen Stadtteile mit seiner schönen - von den »Frankfurtern« unterschätzten - und stimmungsvollen Altstadt, gibt es direkt auf dem zentralen Schlossplatz einen »Linken Laden« in einer ehemaligen Pilsstube, die von der hiesigen Stadtteilgruppe mit viel Initiative und Engagement aufgebaut worden ist. Der kleine, gemütliche Raum ist auch an diesem Abend gut gefüllt; ich referiere meine Vorstellungen zum sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft, insbesondere über ein gerechtes Steuersystem als Voraussetzung für die notwendigen Investitionen in den sozial-ökologischen Umbau, mit Schwerpunkt auf den Konzepten für eine Mobilität für Alle als Teil der Daseinsfürsorge.
Ein in Konzept dafür hat Winfried Wolf vorgelegt: Investitions- und beschäftigungspolitisches Programm SchieneEuropa2025:
> hier in KürzeIn der anschließenden intensiven und tiefgehenden Diskussion geht es vor allem um die Frage, welche politischen Inhalte für die Linke im Mittelpunkt stehen sollen. Es ist gewiss kein Zufall, dass es gerade hier, im Frankfurter Westen, ein Genosse so zusammengefasst hat: »Drei Schwerpunkte soll die Politik der Linken haben: Die soziale Frage, die soziale Frage und die soziale Frage!« Nicht alle sehen es so eindeutig, und ich bekomme durchaus auch Zuspruch als ich die These aufstelle, dass die Linke sowohl in wirtschaftspolitischer Hinsicht als auch in Fragen der Ökologie bereits heute eine Fachkompetenz besitzt, die sich in keinster Weise hinter derjenigen der etablierten Parteien zu verstecken braucht, ja im Gegenteil weit über die der anderen Parteien hinausreicht, da wir uns nicht in der Begrenzung auf das Bestehende selbst beschränken müssen. Der umfassende Umbau unserer Welt ist und bleibt notwendig, unser Horizont ist der einer befreiten Welt, von befreiten Menschen und einer befreiten Natur.
In genau diesem Spannungsfeld, zwischen Utopie und notwendiger Realpolitik, bewegt sich die Linke, und wenn in der Partei die Diskussionen auch weiterhin so engagiert und solidarisch geführt werden wie an diesem Abend in Höchst, dann bin ich nicht bange, dass wir weiterkommen werden. Ich jedenfalls werde wiederkommen nach Höchst.