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die »Freiheit« des Kapitals muss den allgemeinen Menschenrechten untergeordnet werden. So lange Lebensmittelkonzerne oder Anlagefonds mehr Rechte haben, als Kleinbauern oder Landarbeiter, wird der Hunger genährt.Selbstverständlich müssen wir, die Reichen dieser Welt, den Hungernden und anderen Menschen in Not helfen - damit der Humanismus nicht untergeht, aus historischer Verantwortung für die Spätfolgen der Ausplünderung der Kolonien und weil die industrialisierte Lebensweise des Nordens natürliche Lebensgrundlagen im Süden zerstört.
Genauso notwendig ist es aber, dass die Ausrichtung der Weltwirtschaft radikal verändert wird. Darum kämpfen Menschenrechts-Aktivisten aus dem Süden und fordern von uns, dort, wo wir leben "im Herzen der Bestie" (Jean Ziegler) für Veränderungen zu streiten, um den Export des Hungers zu beenden.
Im Kern geht es darum, die kapitalistische Landnahme zurück zu drängen: zumindest Land, Wald und Wasser müssen als Gemeingüter geschützt werden vor dem Zugriff privater Investoren. Statt dessen braucht es unterstützende Rahmenbedingungen für Formen solidarischer, nachhaltiger Ökonomie (Elinor Ostrom hat gezeigt, wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann und erhielt dafür 2009 den Wirtschaftsnobelpreis).
Statt wie bisher das Recht der (Nahrungsmittel-)Konzerne auf »Freihandel« zu schützen, wie es die WTO tut, muss das Konzept der Ernährungssouveränität, wie es von »la via campesina« gefordert wird, Grundlage von internationalen Abkommen werden. Das Menschenrecht auf Nahrung müsste einklagbar sein, nicht aber der ungehinderte Marktzugang.
Längst überfällig ist die Beschränkung, Regulierung und Kontrolle der Finanzmärkte, die Einführung von Finanztransaktionssteuern. Auch die Verstaatlichung systemrelevanter Banken, weil die nicht nur die jeweils eigene Regierung, bzw. die BürgerInnen, in »Geiselhaft« nehmen können, sondern weltweit als Trendsetter wirken. Die Deutsche Bank, wirbt für ihren Agriculture-Euro-Fonds. Finanzinvestoren halten Ackerland für profitabler als Gold. Allein auf dem afrikanischen Kontinent sind in den vergangenen sechs Jahren 50 Millionen Hektar in ausländischen Besitz gelangt - vor allem für die Produktion von Biosprit. Hunderttausende Kleinbauern und ihre Familien verloren so ihre Heimat. »Land-Grabbing« heißt der rücksichtslose Ausverkauf, der von der Weltbank mit billigen Krediten unterstützt wird. Das Mindeste wäre, Finanzhilfen daran zu knüpfen, dass keine Lebensmittel aus Ländern exportiert werden, in denen Hunger herrscht.
Aber nichts dergleichen fordern die maßgeblichen Geberländer, im Gegenteil: die jüngste Rohstoffstrategie der Europäischen Union verfolgt vor allem die Interessen der europäischen Industrie. (Entwicklungs-)Länder werden genötigt Exportsteuern für Rohstoffe abzuschaffen und sich ausländischen Direktinvestitionen zu öffnen. Ökologische, soziale, entwicklungsbezogene Belange finden kaum Beachtung.
Dabei ist längst offensichtlich, dass das herrschende kapitalistische Akkumulations-und Konsum-System nicht nur die ökologischen Grundlagen unseres Lebens zerstört, sondern auch kein besseres Leben für die Mehrzahl der ErdenbürgerInnen bringt. Selbst in Europa oder den USA wächst das Elend. Während große private Vermögen steigen, versinken die öffentlichen Haushalte in Schulden. Prekäre Jobs, soziale Unsicherheit und durchschnittlich sinkende Arbeitseinkommen sind hier zu Lande die Schattenseite des Weltmarkterfolges deutscher Firmen.
Wenn aber transnationale Unternehmen gesetzlich verpflichtet wären, überall soziale, politische, wirtschaftliche (und ökologische) Menschenrechte zu realisieren, hätten die Arbeiter der Unilever-Teefabrik in Pakistan armutsfeste Einkommen, kein indischer Kleinbauer müsste vor Monsanto weichen, Shell würde das Land der Ogoni von der Öl-Verseuchung befreien, kein Anlageninvestor dürfte Äcker in Äthiopien kaufen und bei Starbucks hätten die Beschäftigten einen Betriebsrat.
Ja, die hungernden Menschen brauchen jetzt sofort humanitäre Hilfe. Doch der Kampf gegen den Hunger braucht mehr: mehr Widerständigkeit gegen Marktradikale; mehr Engagement für Verteilungsgerechtigkeit, für grundlegenden sozial-ökologischen Umbau unserer Ökonomien - damit die Gier nach den Ressourcen der anderen aufhört - und für eine (Welt-)Wirtschaft, die dem guten Leben dient und nicht dem Profit.
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Diesen Kommentar schrieb ich für das bemerkenswerte
Online-Portal THE EUROPEAN, wo er leicht gekürzt veröffentlicht wird.
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wemgehoertdiewelt.deBuchtipp:
Globale Hungerkrise. Bergstreser, Möllenberg, Pohl / VSA-Verlag Material: attac foodflyer
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