Konzerninteressen gewahrtBeitrag in der jungen welt, 3. März 2010 Analyse. Das offizielle Gutachten zum Berliner S-Bahn-Desaster blendet wesentliche Ursachen der Krise aus. Der Bericht der Kanzlei Gleiss Lutz zur S-Bahn Berlin vom 23. Fe¬bruar 2010 wirkt für Außenstehende in vielerlei Hinsicht überzeugend: Er ist kompakt, auch für Laien relativ gut lesbar; gut aufbereitet und stringent präsentiert. Es gibt jedoch einen seltsamen Bruch. Während bis zur Seite 41 zum Teil krasse Fehlleistungen von Herstellern, Lieferanten und dem eigentlichen Unternehmen S-Bahn GmbH dokumentiert werden, wird der Bericht ab Kapitel 4 »Konzerneinfluß und Fehler der Sanierungsprogramme« ausgesprochen schmallippig. In diesen nun folgenden zwanzig Seiten wird die gewaltige interne »Modernisierung« weitgehend gutgeheißen. Es gibt keine markante Kritik an der Schließung von Instandhaltungseinrichtungen. Der massive Beschäftigungsabbau im Zeitraum 2003 bis 2009 taucht nicht einmal auf. Wohl aber vermerken die Herren Anwälte kritisch, daß die Belegschaft aus ihrer höchst kompetenten Sicht zu alt sei. »Das Durchschnittsalter der Beschäftigten der S-Bahn ist kontinuierlich gestiegen, von 40 Jahren in 2000 auf 45,1 Jahre in 2008, wobei das Durchschnitts¬alter im Bereich Fahrzeuginstandhaltung 2008 sogar 47,1 Jahre betrug. Dies wohlgemerkt in einem Unternehmen, in dem die Mehrzahl der Beschäftigten mit körperlicher Arbeit verbundene Tätigkeiten ausführt, Triebzüge fährt und instandhält« (S. 46). mehr Bahn vergrault KundenIm Interview mit Maria Lupinski, erschienen in der neuen Welt vom 6. Januar 2010 Netz ausbauen, Verkehrsangebote steigern, Ticketkosten reduzieren: Wie der Schienenverkehr attraktiver werden kann. Sabine Leidig (Die Linke) ist Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie nimmt am kommenden Samstag an der Podiumsdiskussion der Rosa-Luxemburg-Konferenz in der Berliner Urania teil (siehe Seite 7) Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Monat ihre Fahrpreise um 1,8 Prozent erhöht. Das klingt ganz moderat. Wir haben die Fahrpreiserhöhungen über einen längeren Zeitraum hinweg analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend. Die Bahnpreise stiegen seit 2004 real um 16 Prozent. Die Bahn wird sagen: Alles wird doch teurer. Es handelt sich um einen Zeitraum, in dem die realen Einkommen der Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr stiegen. Bei vielen sank sogar der Lebensstandard. Sodann sind die 16 Prozent nur der offizielle Wert. Die verdeckten Fahrpreiserhöhungen einbezogen, kommen wir auf 20 Prozent. Seit 2000 gerechnet liegen die Erhöhungen bei real 25 bis 30 Prozent. Das hat für Hunderttausende Menschen ganz praktische Folgen. Manche Leute müssen auf die traditionelle Zugfahrt Weihnachten zu Verwandten verzichten. Bei vielen heißt es doch längst: Für uns ist die Bahn als Verkehrsmittel schlicht zu teuer. Die Bahn verweist auf die Inflationsrate und auf gestiegene Personalkosten. mehr Steuergelder verbrannt | |||
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